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Analoge Politiker und mißbrauchte Kinder - das "Ermächtigungsgesetz 2.0"
(Eine persönliche Polemik eines "Netzbürgers")

Prolog: Diese Polemik entstand vor der Bundestagswahl 2009. Bei dieser Wahl erreichte die netz-affine Piratenpartei mit 2% das beste Ergebnis, das jemals eine neue Partei bei Bundestagswahlen erreicht hat. Die SPD distanzierte sich nach der desaströsen Niederlage von ihrer (überwiegenden) Zustimmung zum Sperrgesetz - die Abgeordneten hätten ja auch nur dafür gestimmt, weil man Angst vor der Bild-Zeitung gehabt hätte. Noch-Innenminister Schäuble behauptete, daß man ja nur ein Wahlkampfthema gebraucht hätte, mit dem man sich von der Konkurrenz hätte absetzen können. Die FDP, sie hatte sich, ebenso wie Die Linke und die Grünen, gegen das Sperrgesetz ausgesprochen, sitzt nun in der Regierung, und will das Gesetz wieder einstampfen (macht aber sonst nur die übliche Klientelpolitik - dies allerdings um einiges dreister, als selbst Pessimisten erwartet hatten). Das v.d.Leyensche Sperrgesetz ist somit zwar mittlerweile in Kraft getreten, soll aber nicht angewendet werden ...
Trotzdem bleibt dieser Artikel leider aktueller denn je. Denn wer sich schon beim Sperrgesetz gefragt hat, ob unsere Politiker nun endgültig durchgeknallt sind, der wird sich wundern: schlimmer geht's wohl immer! Denn mittlerweile plant eine "große Koalition" in den Bundesländern unter dem Mantel des "Jugendschutzes", nicht nur Sperren, sondern, wie z.B. in China, nicht weniger als die komplette Filterung des Netzes. Inkl. der Verantwortlichkeit von Diensteanbietern für Inhalte der Kunden, Bewertung aller (deutschen) Webinhalte nach Altersstufen, die Nutzung bestimmter Inhalte im Netz nur zu bestimmten "Öffnungszeiten", Sperrung ausländischer Seiten und noch viel mehr (s. dazu, stellvertretend für viele, die Reaktion eines Bloggers: Zensur dank Jugendschutz, eines Aktivisten: Der JMStV-Entwurf muss vom Tisch, eines Politikers (dem ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Tauss): Liebe Genossen.... und eines Providers: Das Ende der freien Kommunikation im Internet?).
Auch wenn der selten dumm-dreiste Entwurf garantiert nicht umgesetzt werden wird - in dieser Form schon überhaupt nicht (Nachtrag 17. August 2010: Am 10. Juni haben alle Ministerpräsidenten die endgültige, abgeschwächte Fassung der JMStV-Novelle (PDF) unterzeichnet, so daß sie am 1. Januar 2011 in Kraft tritt, falls alle 16 Länderparlamente zustimmen; komplett abgelehnt wird die Novelle von der FDP, jedenfalls auf ihrem Parteitag im April, den paar medienpolitischen Sprechern der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der Bundestagsfraktion der Grünen sowie Teilen(!) der SPD) -, zeigt es doch, daß viele Politiker von Union und SPD immer noch nicht auch nur im Ansatz gelernt haben, was leider auch auf europäischer Ebene der Fall ist: die EU-Kommission fordert ebenfalls Websperren. Und da Dummheit auch bei noch so guten Argumenten nicht so einfach ausstirbt, selbst wenn die angeblichen Gründe dieselben sind, die schon lange widerlegt wurden (weswegen erfreulicherweise auch EU-Politiker den erneuten Irrsinn hinterfragen), bedeutet das für mich: Ich werde wieder bei jeder Gelegenheit auf diesen Text verlinken, und die während des Bundestagswahlkampfs auf dieser Website geschaltete Bannerwerbung für die Piratenpartei wieder aktivieren.
Danke für die Aufmerksamkeit - und weiter geht's mit dem ursprünglichen, aber immer mal erweiterten/besser verlinkten Text vom Sommer 2009:

Vergewaltigung ist meiner Ansicht nach das widerlichste Verbrechen überhaupt. Und dann auch noch bei Kindern: noch viel widerwärtiger. Der Kampf dagegen, wie auch der Kampf gegen die Veröffentlichung Bilder & Videos von den Verbrechen, ist sinnvoll - wer würde das bestreiten wollen? Mehr als "bedenklich" wird es aber, wenn Politiker sich hinstellen, und (leider zurecht) glauben, mit diesem Thema ihre Interessen auf anderen Gebieten ohne Widerstand durchdrücken zu können - denn wer würde bestreiten wollen, ...
... daß es nicht sinnvoll ist, wenn man mit Methoden, die keinem Kind helfen, Zensur ermöglicht? Äh, so ungefähr jedenfalls. Deswegen möchte ich hier ausführen, daß diese Politiker lügen, warum es Lügen sind, warum sie lügen und welches der bessere Weg wäre, sowohl um die Freiheit des Bürgers zu sichern, als auch Kinderpornographie wirksam zu bekämpfen, und die Unversehrtheit der Kinder zu sichern.

Doch zuerst: Was ist passiert? Die Familienministerin stellt sich direkt vor dem Ablauf der Periode, also im Angesicht des kommenden Wahlkampfs (s. Politik, Populismus und Kinderporno), hin und teilt mit wehklagender Stimme dem mit Tränen ringenden Publikum mit, daß man zukünftig bestimmte Websites sperren möchte, es aber nur darum ginge, daß Bilder und Videos von Kindesvergewaltigungen nicht gesehen werden sollen, damit die Interessierten sie nicht bekommen, der normale Surfer nicht zufällig darauf stößt (und auf den Geschmack kommt - was für eine generell menschenverachtende, und auch wissenschaftlich nicht haltbare Argumentation), und um diese angebliche Industrie mit ihren angeblichen Millionenumsätzen auszutrocknen (wobei: Polizisten und Strafverteidiger reden davon, daß Kinderpornographie in der Regel kostenlos getauscht wird - die angeblichen riesigen Umsatzzahlen sind nirgends belegt, sondern entstammen wohl einer "Studie" eines Herstellers von Filtersoftware - was für ein Zufall aber auch), dann ist das kaum weniger widerwärtig und abstoßend. Denn es handelt sich um die gleiche Familienministerin,

  • die gleich zu Beginn ihrer Amtszeit eine von Experten wie Eltern hochgelobte Broschüre ihres Ministeriums einstampfen ließ, die Eltern helfen sollte, ihre Kinder eine natürliche, selbstbestimmte Sexualität entwickeln zu lassen (was das Mißbrauchsrisiko senkt) - auch auf "Druck" äußerster rechts-konservativer religiöser Kreise.
  • die während ihrer gesamten Amtszeit nichts dafür getan hat, daß die Polizeibehörden verschiedener Staaten bei der Verfolgung von Kindesvergewaltigungen besser zusammenarbeiten (jedenfalls war davon, auch beim Innenminister Wolfgang Schäuble, nie die Rede - und man kann wohl davon ausgehen, daß die Politiker bestimmt stolz darauf verwiesen hätten, wenn dies geschehenn wäre).
  • die obendrein auch noch die Mittel für die Betreuung der Opfer von Mißbrauch und Vergewaltigung gekürzt hat!

Soviel also zur ach so betroffenen Frau v.d. Leyen, die ein schreckliches Verbrechen vorschiebt, um so eine erwartete Diskussion von vorneherein zu unterbinden, und die, da dieses Verbrechen und die geplante Maßnahme bei sachlicher Betrachtung in keinerlei sinnvollen Zusammenhang gebracht werden können, sich also nicht davor scheut, Kinder, konkret Mißbrauchsopfer, zu mißbrauchen. Denn da sie, vermutlich wider besseren Wissens, behauptet, daß es wirklich, wirklich nur um widerwärtige Werke ginge, bei deren Produktion Kinder vergewaltigt werden, ja, die an "inneren Blutungen" stürben, frage ich mich: wie verkommen ist es, Mißbrauchsopfer für eine solch dreiste Lüge zu mißbrauchen? (Das frage übrigens nicht nur ich mich, das fragen sich auch die "Mißbrauchsopfer gegen Internetsperren", kurz Mogis.) Webseiten unzureichend "sperren" zu wollen, weil man es nicht hinbekommt, sie wirklich abzuschalten, wobei man aber leider auch an Recht und Gesetz gebunden wäre. Denn es sind nicht nur berechtigterweise solche Werke, die dem BKA aber auch konservativen Kreisen ein Dorn im Auge sind. Man macht die Sperren nicht davon abhängig, ob Vergewaltigung (oder wenigstens sexueller Mißbrauch unterhalb der Schwelle der Vergewaltigung) zu sehen ist (da könnte man vielleicht erwachsene Opfern auch noch gleich unterstützen), sondern von der existierenden allgemeinen Gesetzgebung zu den Themen "Kinderpornographie" bzw. "sexueller Mißbrauch von Kindern". D.h., es geht somit auch um

  • Bilder von bekleideten Kindern, die aber "unnatürlich" posieren
  • Pornographische gezeichnete Bilder & Zeichentrickfilme mit kindlich wirkenden Darstellern (z.B. die mittlerweile auch bei uns beliebten japanischen Manga und Hentai)
  • Pornographie mit virtuellen(!) Avataren die kindlich aussehen (also z.B. in künstlichen Welten wie z.B. Second Life)
  • fiktive Erzählungen (also reine Literatur, keine Bilder), die Sex von Kindern zum Thema haben (freiwilligen Sex, nicht Vergewaltigungen von Kindern)
  • freiwillige Pornographie von Volljährigen(!), die aber das "Pech" haben, kindlich auszusehen

Das alles klingt schon deutlich weniger blutig. Und Fakt ist, daß auf den bekannt gewordenen Sperrlisten anderer Länder (auf die sich Frau v.d.Leyen beruft) tatsächlich nur 1-3% der Einträge wirklich Kinderpornographie zum Thema hatten. Aber was sind überhaupt "Kinder"? Nun, biologisch ist man Kind, bevor man in die Pubertät gekommen ist, die heutzutage mit ungefähr 10-12 Jahren eintritt. Rechtlich ist man in Deutschland mit 14 strafmündig, also für seine (Un-)Taten rechtlich verantwortlich, und somit kein Kind mehr. Mit diesem Alter hat man dann rechtlich die sexuelle Selbstbestimmung zum größten Teil, mit 16 dann vollkommen erreicht, und gilt diesbezüglich nicht mehr als "Kind". Mit 18 ist man schließlich volljährig und voll geschäftsfähig, und wenn man 21 wird, gilt generell nicht mehr das Jugend- sondern das Erwachsenenstrafrecht. Von 14 bzw. 16, des rechtlichen Beginns der sexuellen Selbstbestimmung, bis 18, der Volljährigkeit, ist somit eine "pornographische Grauzone". Deswegen gibt es neben der "Kinderpornographie" mittlerweile auch "Jugendpornographie" sowie "Jugendanscheinspornographie" (letzteres betrifft dann volljährige DarstellerInnen, die aber jünger aussehen). Das Ergebnis ist das gleiche -> Verbot! Die Politiker arbeiten in der EU-Kommision aber ohnehin schon daran, schlicht all dies "Kinderpornographie" nennen zu können, indem man gesetzlich definiert: Beim Sex ist der Mensch unter 18 (aussehend) ein Kind. Daran müssen wir uns jetzt also gewöhnen (das soll jetzt allerdings nicht gegen "die EU" gehen - die Politik in der EU wird immer noch von den nationalen Politikern angeregt, ausgeführt bzw. eben (nicht) verhindert). Ich meine: Nenn eine 17-Jährige, immerhin seit 3 Jahren strafmündig, ebenso lang die Pille nehmend, ggf. bereits arbeitend und mit Führerschein, mal "Kind"! Wenn man schnelle Reflexe hat, kommt man vielleicht aus der Nummer unbeschadet wieder raus. Da rechtfertigt offenbar das vermeintliche Ziel die Mittel. Aber das müssen wir uns auch stets vor Augen halten: Wenn Politiker jetzt von "Kind" reden, ist nicht das gemeint, was der normale Mensch darunter versteht! Und man sollte vielleicht auch noch wissen, daß, wenn allgemein von "Pädophilie" geredet wird, damit üblicherweise sexuelles Interesse an "Minderjährigen" (i.d.R. bis 14) gemeint ist. Tatsächlich beschreibt der Terminus allerdings das ausschließliche, mindestens aber überwiegende sexuelle Interesse an "Minderjährigen vor der Pubertät" (also wirklich Kindern im biologischen Sinn). Platt ausgedrückt: Ist ein Mensch, z.B. ein Politiker wie der konservative italienische Ministerpräsident Berlusconi, sexuell an einer 17-Jährigen interessiert, dann mag das irritierend sein, ist aber nicht pädophil (sowohl weil Berlusconi nicht im Verdacht steht, nicht auch von erwachsenen Frauen "angetan" zu sein, als auch weil man mit 17 bereits geschlechtsreif ist - sogar schon einige Jahre lang). Pädophil wäre er, wenn ihn vorwiegend z.B. 8-jährige Mädchen sexuell interessieren würden, die noch gar nicht in der Pubertät sind (wer sexuell auf Jugendliche in der Pubertät fixiert ist, der ist "ephebophil" bei Interesse an Jungen, bzw. "parthenophil" bei Mädchen). Ob der Begriff aus Dummheit oder Absicht falsch verwendet wird, dürfte vom Einzelfall abhängen. Ich tippe oft auf beides ...

Zur Pornographie mit jungen Menschen kommt dann noch das "Problem" von Bildern mit nackten Kindern (keine Pornographie, kein Sex, kein Mißbrauch, keine Opfer - einfach Bilder von jungen Menschen ohne Kleidung, z.B. beim FKK). Die sind (noch) nicht strafbar, gelten in konservativen Kreisen aber als problematisch, weil sie angeblich die "Einstiegsdroge" zur Kinderpornographie bilden würden. Diese Leute argumentieren ernsthaft, daß man schon vom Anblick solcher Bilder pädophil wird - wohl so ähnlich wie ein Mann z.B. vom Anblick eines nackten Mannes ja auch homosexuell wird. Nun gut, darüber wundert sich vielleicht nicht nur der eine oder andere Sexualwissenschaftler, aber man sollte bedenken: "Es geht doch um den Schutz der Kinder!" Da braucht man keine wissenschaftlichen Belege, da tut es auch eine bloße Behauptung - so irre und unbewiesen die auch sein mag. Und weil das so ist, sind mittlerweile Bilder von nackten Kindern ggf. zumindest als "jugendgefährdend" eingestuft. Kinder dürfen ggf. also keine Bilder von nackten Kindern sehen. Denn, so die phantastische Argumentation: Sie könnten den Eindruck gewinnen, daß es nicht unnatürlich sei, sich nackt fotografieren zu lassen! Dabei würden sich Kinder doch eigentlich schämen, wenn sie nackt fotografiert würden (weiß doch jeder - beim FKK schämt sich ja auch jeder!). Wenn es also solche Bilder gibt, dann können auch sie nur unter Zwang gemacht worden sein, oder weil das Kind böswillig manipuliert wurde. Was das Kind will, danach fragt natürlich niemand. Ein Wunder, daß Kinder noch FKK machen oder in die Sauna dürfen. Oder haben sie schonmal ein kleines Kind nackt an einem Textilstrand gesehen? In den USA undenkbar, hier sieht man es (noch) allenthalben. Kein Wunder, daß es hier so viele Pädophile gibt! Aus der Antike kennen wir das Medusenhaupt: Ein Blick genügt, und man ist versteinert. Zugegeben, das ist natürlich keine Geschichte, die sich wirklich so ereignet hat - reine Fiktion halt. Aber jetzt kennen wir das "Medusenkind": Ein Blick genügt, und zack, man ist pädophil. Das ist natürlich keine Fiktion, denn es gibt Menschen, die leben im 21. Jahrhundert und behaupten das allen Ernstes (s. Kinder sind Pornos). OK, viele Menschen sagen auch, daß es einen unsichtbaren alten Mann "da oben" gibt, der alles weiß und alles kann (wohl außer Pädophilie und Vergewaltigung abzuschaffen), der sich aber unaufdringlicherweise soweit aus unserem Leben heraushält, daß stattdessen Heerscharen von Menschen hier an seiner statt seinen Willen verkünden müssen (bzw. was sie glauben, was sein Wille wäre - der Gute ist ja nicht sonderlich mitteilsam, und offenbarte sich bislang leider nur durch Menschen). Zu dumm natürlich, daß einem Großteil dieser "Diener Gottes" Sex verboten ist, weswegen einige von ihnen gerne Kinder vergewaltigen - sie wissen ja auch am besten, daß dieser Gott selbst wohl nichts gegen Pädophilie und Vergewaltiger unternimmt ...

Irgendwie habe ich aber auch den Eindruck, daß gerade diese Typen so ziemlich nie fragen, was das Kind möchte - sie haben ihre Sichtweise, und die Kinder haben dem widerspruchslos zu folgen. "Du sollst deine Eltern ehren" ist ja schließlich auch Gottes Gebot. Aber wie sagte der von mir sehr geschätzte George Carlin: "Respekt ist nicht gegeben, Respekt muß man sich verdienen! Einige Eltern verdienen Respekt, viele nicht" (s. The Ten Commandments (George Carlin)).
Ein Wunder, daß es da noch Versandhauskataloge gibt, in denen Kinder abgebildet sind, die Schlaf- oder gar Unterwäsche tragen (dabei fotografiert zu werden, ist anscheinend noch "normal"). Ein Wunder, daß bei Fußballspielen noch öfters Kinder mit den erwachsenen Spielern Hand in Hand auf den Platz laufen. Vor Millionenpublikum fassen erwachsene Männer wildfremde Kinder an? Und immer noch keine Sichtschutzwände vor Spielplätzen gebaut? Das darf doch nicht sein, daß Pädophile dort einfach Kinder begaffen können! Es gibt noch viel zu tun (s. Wie sieht ein Kinderschänder aus?)! Wie gut nur, daß es wenigstens keine Stringtangas mehr für Mädchen bei der Karstadt-Tochter Neckermann zu kaufen gibt. Nicht, daß man die wg. Erfolgslosigkeit aus dem Sortiment genommen hätte (sie sollen sich gut verkauft haben). Nicht, daß es verboten wäre, Stringtangas für Mädchen zu produzieren oder zu verkaufen. Nicht, daß es verboten wäre, diese Unter(!)-Wäsche zu tragen (wir sind ja nicht der Iran). Nein, konservative Menschen haben einfach so lange protestiert, bis die Geschäftsführung aufgegeben hat. Ob stattdessen jetzt Burkas für Mädchen verkauft werden, ist nicht bekannt.

Da wäre z.B. aber auch dieser Kindergarten im Ruhrgebiet: Dort haben Kinder nackt miteinander gespielt. Skandal!
Nicht, daß die Betreuerinnen pädophil gewesen wären. Nicht, daß das heimlich passiert wäre. Nein, einige Kinder waren auf die Idee gekommen, und wollten nackt miteinander spielen. Die Betreuerinnen haben die betroffenen Eltern informiert, die haben ihre Erlaubnis gegeben, und im Kindergarten wurde dann ein eigener Raum eingerichtet, wo diese, und nur diese Kinder nackt spielen konnten.
Ich weiß nicht, ob das entwicklungspsychologisch der Weisheit letzter Schluß ist (in der Tat ist es so, daß in Deutschland Pädagogen zumindest theoretisch offiziell dazu angehalten sind, der sexuellen Neugier der Kinder Raum zu geben, und sie nicht zu unterdrücken), aber was ich weiß ist: Der Kindergarten wurde geschlossen, nachdem sich Eltern anderer Kinder (die davon nicht betroffen waren) beschwert haben. Das geschah im letzten Jahr - 2008 - zu Zeiten der "Sexuellen Revolution", also vor etwas über 40 Jahren, hätte man wohl kein Problem darin gesehen ...

Da wäre z.B. auch der Fall des minderjährigen Mädchens, ca. 11-13 Jahre, aus dem vorletzten Jahr, von dem Polizeibeamte Bilder im Internet fanden. Bilder von eindeutig sexueller Natur, wie es hieß. Die Beamten konnten anhand der Wohnungseinrichtung erkennen, daß die Bilder wohl in Deutschland aufgenommen worden waren, und so kam das BKA auf die "gute" Idee, ein Bild dieses Mädchens in den klassischen Medien und im Internet zu veröffentlichen, damit es erkannt wird, es aussagt, und man dann somit den Täter verhaften kann. Denn: man ging davon aus, daß der Täter sich im familiären Umfeld des Mädchens aufhielt (wie meistens bei Kindesmißbrauch), und wollte den Mißbrauch unterbinden, von dem man ausging, daß er nach wie vor stattfand.
Was stellt man sich da nun drunter vor? Ein kleines, blondes, unschuldiges Mädchen, das von einem widerlichen Erwachsenen brutal vergewaltigt wird - womöglich, s. Frau v.d.Leyen, gerade an inneren Verblutungen sterbend. Da kann doch nun wirklich nur jedes Mittel recht sein!
Kann es? Man hat das Mädchen schnell gefunden - ein Lehrer erkannte ihr Bild in der Zeitung.

Das Problem des BKAs: Es gab gar keinen brutalen Vergewaltiger. Kein kleines Mädchen, vor Hilfe winselnd an inneren Blutungen sterbend. Das Mädchen hatte im Internet einen erwachsenen Mann getroffen, Kamera und Stativ herausgeholt, selbst Bilder von sich gemacht, und sie dem Mann per E-Mail geschickt. Das Mädchen war blamiert, das BKA war blamiert, und auch wenn beide eine solche Aktion in Zukunft bestimmt noch zweimal überdenken würden, zeigt es doch, wie schnell Polizeibeamte sich ihre "Wahrheit" zusammenreimen können, und wie diese "Wahrheit" dann der Öffentlichkeit verkauft wird. Aber wer will es den "Sexperten" vom BKA auch übelnehmen: Da heißt es, daß der größte Teil der getauschten Kinderpornographie Altmaterial aus den Zeiten der Sexuellen Revolution ist, und da hat man endlich mal die Chance, einen Vergewaltiger aus der heutigen Zeit und dem eigenen Wirkungsbereich zu erwischen, und zu präsentieren, um endlich mal zu zeigen, wie wichtig doch die eigene Arbeit ist. Und dann so ein peinliches Desaster. Nun, vielleicht ist die Menge an Intellektuellen beim BKA nicht sonderlich groß, aber wie intelligent muß man denn sein, um in einer solch offensichtlich unklaren Situation nicht gleich die größtmögliche Öffentlichkeit zu bemühen? Ist das BKA unfähig, an die Adressen der deutschen Schulen zu kommen? Sind das geheime Institutionen? Kann man die nicht einfach anschreiben oder -faxen: "Wer kennt dieses Mädchen im schulpflichtigen Alter?" Ist das zu teuer? Ich dachte, für den Schutz unserer Kinder sollte Geld vorhanden sein?! Stattdessen die billigste Variante mit dem größtmöglichen Kollateralschaden: Pressemitteilung, gleich mit dem Hinweis, daß das Mädchen sexuell mißbraucht würde. Ja, super gemacht! Toll! Da fühlt man sich doch gleich viel besser, wenn man seine Sicherheit in den Händen solcher geistigen Tiefflieger weiß ...

Allerdings glaube ich gar nicht, daß im BKA nur Vollpfosten arbeiten. Ich tippe eher darauf, daß die sich für sehr "clever" halten. Vielleicht ist das dort so abgelaufen:

Meier-SchulzChef, wir konnten herausfinden, daß die Bilder in Deutschland aufgenommen wurden!
Chef des MS: Na super, dann können wir jetzt endlich mal dem niedersächsischen Landei zeigen, wie wichtig und fähig wir sind! Was Meier-Schulz?
MS: Hehe, sehe ich auch so, Chef. Wär doch gelacht, wenn wir nicht doch noch mehr Befugnisse bekommen. Das Wolferle frißt uns ja ohnehin schon aus der Hand! Ich habe schon ein Schreiben an alle Schulen vorbereitet. Das Mädchen finden wir!
Chef: Halt, halt, Meier-Schulz, nicht so schnell! Wir können doch nicht einfach alle Schulen anschreiben! Da fühlen sich doch mal wieder die LKA-Loser übergangen! Schließlich fällt das Internet laut Grundgesetz in deren Zuständigkeit!
MS: Hmm, stimmt natürlich. Scheiß Grundgesetz! Sollen wir also dann den Dienstweg gehen, jedes LKA anschreiben, damit die dann die ihre Schulen anschreiben, oder die Sache an die lokalen Dienststellen weiterleiten können, daß die sich dann darum kümmern?
Chef: Wo denken sie hin? Wir wollen doch mehr Kompetenzen. Können Sie sich vorstellen, was passiert, wenn wir den Dienstweg gehen, und die tatsächlich einen Vergewaltiger finden sollten?
MS: Klar, das LKA und die betroffene Polizeidienststelle vor Ort werden jubeln, sie hätten das Schwein geschnappt, und wir kriegen nur einen Bruchteil des Ruhms ab - wenn überhaupt. Das wäre nicht gut für die Erweiterung unserer Kompetenzen!
Chef: Eben! Aber ich habe da schon eine Idee! Wir gehen einfach selbst an die Presse! Wenn ein Bild vom Mädchen überall veröffentlicht wird, wird bestimmt jemand das Mädchen erkennen, und dann bleibt der Ruhm auch nur bei uns, und wir kriegen unsere neuen Kompetenzen!
MS: Genial, Chef! Aber sollten wir das wirklich machen? Ich meine: Auf keinem Bild ist auch nur der Schatten eines Vergewaltigers zu sehen. Was wenn das Mädchen die Bilder selbst und aus eigenem Antrieb gemacht hat? Man hört ja allenthalben, daß die Jugendlichen von heute sowas machen. Soll ja schon einen eigenen Begriff dafür geben: "Sexting"!
Und wenn es wirklich einen Vergewaltiger gibt, dann ist das Mädchen ein Opfer und schon genug geschädigt. Sollten wir da nicht so diskret vorgehen, wie irgend möglich? Das Mädchen wird ja nochmal zum Opfer, wenn wir ein Bild von ihr an die große Glocke hängen und rumtönen: Seht her, dieses Mädchen wird vergewaltigt.
Chef: Ach Meier-Schulz, sie sind ja so empfindlich heute! Ich sehe das so: wenn das Kind ein Opfer ist, dann wird es froh sein, daß wir kommen, um es zu befreien. Daß dann ganz Deutschland weiß, daß sie mißbraucht wurde, ist doch nicht weiter tragisch, wenn wir dafür unsere Kompetenzen erweitert bekommen! Dieses kleine Opfer muß sie halt als Gegenleistung für ihre Rettung bringen. Ob es nicht auch einen besseren Weg gegeben hätte, danach fragt dann doch kein Mensch mehr!
Und für den sehr unwahrscheinlichen Fall, daß sie kein Opfer ist, ich meine, wir sind hier im anständigen Deutschland, und nicht irgendwo in den USA, dann hat es die kleine Schlampe ohnehin nicht anders verdient!
MS: Jawoll Chef, so machen wir's! Scheiß aufs Urheberrecht, Persönlichkeitsrecht und Dienstweg - ich bereite die Pressemitteilung vor!
Chef: Und stellen Sie schon mal den Sekt zur Feier unserer neuen Kompetenzen kalt!
MS: Geht klar, Chef!

Nun, das wäre natürlich "Eigenutz vor Opferschutz" - und sehr unappetitlich. Und sowohl diese Variante, als auch die der "geistigen Tiefflieger" wären wohl kaum erfreulich (vorsichtig formuliert). Aber vielleicht liest diesen Text ja auch einer aus dem BKA, der sich dann erbarmt, mir zu mailen, was da wirklich abgelaufen ist ...

Aber nun gut, wir wissen jetzt also, daß es Menschen gibt, die mit freier Sexualität ein Problem haben. Wir wissen, daß es Menschen gibt, die mit Bildern von nackten Kindern ein Problem haben (aber natürlich auch von nackten Erwachsenen). Wir wissen, daß es Menschen gibt, die ein Problem haben, wenn es auch nur irgendwie um Kinder und Sexualität geht - egal ob dabei Kinder aus Fleisch und Blut eine Rolle spielen, oder nicht. Egal ob die Kinder genötigt werden, oder aus eigenem Antrieb sexuelle Interessen haben. Wir wissen auch, daß solche Dinge ggf. nicht strafbar sind. Da würde es sich doch anbieten, wenn eine Polizeibehörde, zumal eine so uneigennützige und intelligente wie das BKA, ohne diese lästige Strafbarkeit vor einem unabhängigen Gericht auch belegen zu müssen, Inhalte einfach mal so sperren kann, bloß weil diese Behörde meint, daß das so sein müsse. Allerdings: Jeder, der sich mit dem Internet auskennt, weiß, daß

  • ein Stoppschild kein Hindernis ist - insbesondere nicht für die, die wirklich interessiert sind,
  • Bilder und Videos von vergewaltigten Kindern faktisch nicht frei verfügbar im WWW vorkommen, weil eine solche Tat überall auf der Welt als verachtungswürdig gilt und strafbar ist,
  • solche Straftaten folglich bei Anzeige auch überall verfolgt werden, denn das WWW ist, entgegen der Behauptung mancher zensurfreudiger Politiker, keineswegs ein "rechtsfreier Raum", da das WWW Firmen braucht, bei denen die Webserver eingerichtet sind,
  • "das Internet" nicht nur aus dem noch recht jungen WWW besteht (aber nur um das WWW geht es bei den "Netzsperren"), und solches Material aus eben genannten Gründen eben nicht im WWW sondern in anderen Bereichen des Internets (kostenfrei) verbreitet wird (oder auch über ganz andere Wege wie z.B. Post-Versand von DVDs), die noch unkontrollierbarer sind, als es das WWW ist, und
  • "das Internet" als solches eine gemeinsame Erfindung von Freigeistern (Visionäre, Bürgerrechtlern, "Hippies", ...) und des Militärs ist, speziell entworfen, damit sich Menschen unter allen Umständen ungehindert (von repressiver staatlicher Kontrolle?!) austauschen können (das war das Interesse der Freigeister), selbst während eines Atomkriegs, wenn Teile der Welt mit ihrer althergebrachten Kommunikationsinfrastruktur im nuklearen Feuer versunken wäre (das war das Interesse der Militärs). Man kann "das Internet" technisch nicht wirklich wirksam "sperren" - es wurde extra geschaffen, dies zu verhindern!

v.D.Leyen bekämpft Armut! Und nicht zu vergessen: Das Internet wurde von Amerikanern erfunden. Es gibt kein anderes Land in dieser Welt, in dem die "freie Meinungsäußerung" (aus gutem Grund) einen so hohen Stellenwert besitzt, wie in den USA - unserem "wichtigsten Verbündeten". Und dort zählt auch der schrift- oder bildliche Ausdruck der Sexualität als Meinungsäußerung. Selbst eine tendenziell faschistoide Regierung wie die von Bush/Cheney konnte das nicht ändern (auch wenn sie es versucht hat). Und bei aller (berechtigter) Kritik an "den USA", und bei allem (berechtigten) Verständnis dafür, daß bei uns die Meinungsfreiheit (leider) durch ein anderes Grundrecht, der Würde des Menschen, eingeschränkt ist: Das Internet ist aus der amerikanischen Sichtweise heraus entstanden, und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, daß sich an dieser Sichtweise etwas ändern wird (für "das Internet" wäre eine Änderung ohnehin zu spät - die "Büchse der Pandora" wurde geöffnet).

Wenn man also erkennt, daß Straftaten im Internet vorkommen oder dokumentiert werden, dann muß man gegen die Straftäter selbst vorgehen. Denn die Information über die Straftat ist im Raum, sie wird nicht mehr verschwinden, man kann sie nicht mehr "zurückholen". Es gibt keine Möglichkeit, existente Informationen wirksam zu verbergen, und wer das dennoch vorhat, irrt, macht sich (bzw. den Wählern) etwas vor, oder möchte "das Internet" abschaffen. Dafür aber ist das Internet zu wichtig, zu groß sind die Vorteile, die die Menschheit aus dem legalen Wissensaustausch bezieht (was auch weder Wolfgang "Stasi 2.0" Schäuble, noch die Chinesen bestreiten). Wir leben im Informationszeitalter, es sind nur noch nicht alle Menschen dort angekommen. Insbesondere viele alte Menschen noch nicht - auch und gerade die Menschen, die über Ortsvereine voll von noch älteren Menschen in die Politik gekommen sind. Und das bezieht sich nicht nur auf notorisch von Kontrollverlust geplagte Politiker westlicher Demokratien ("Informationsfreiheit? Volksentscheide? Na ja, gezwungenermaßen vielleicht ein bißchen!"), sondern natürlich auch auf autoritäre Regime. Wäre ich zu den olympischen Spielen nach China gefahren, hätte mich keine "große chinesische Firewall" daran hindern können, online Informationen zu den Vorgängen auf dem "Platz der Totenruhe" abzurufen. Als Internetfachmann weiß ich, wie das Internet funktioniert, warum es so funktioniert und wie man wichtige Onlinekommunikation wirksam vor Dritten verbirgt. Das ist Wissen. Wissen um ein Themengebiet, dessen Thema das Wissen an sich und dessen Verbreitung ist. Wie lange wird es dauern, bis das Wissen um unbeschränkte Information sich im nicht beschränkbaren Internet so weit verbreitet hat, daß auch jeder Nicht-Internetexperte dieses Wissen hat? Noch 10 Jahre? 25? 50?

Egal wie lange es dauern wird: das Ergebnis ist absehbar. Leute wie Ursula v.d.Leyen, die, mindestens von Wissen unbeleckt, phantasiert: "Jeder (...) kann eigentlich sich selber fragen, wen kenn ich, wer Sperren im Internet aktiv umgehen kann? Die müssen schon deutlich versierter sein, das sind die 20%, die sind zum Teil schwer Pädokriminelle (...)." Nein, Frau v.d.Leyen: Auf Dauer wird jeder viele Menschen kennen, die das können. Jeder wird es können. Wie es geht, kann man auch jetzt im Internet lesen, und es dauert nur wenige Sekunden, diese Information zu finden und diese "Sperren" zu umgehen - nicht jedesmal neu, sondern einmalig wenige Sekunden und dann nie wieder. Und das ist noch nicht einmal strafbar - es ist sogar systemimmanent.
Oder Leute wie "Wilhelm" von und zu Guttenberg, der rechtschaffene Bürger die gegen diese unsinnige aber schädliche (und schändliche) Pseudomaßnahme sind, in einem Tagesschau-Interview mal eben in die Nähe von Pädophilen rückt.
Oder Leute wie Brigitte "Browser, was ist nochmal ein Browser" Zypries, die unfaßbarerweise die Aufrufe des Stoppschilds vom BKA ausgewertet sehen wollte. Vollkommen ignorierend, daß dem BKA gerade erst die, zudem erfolglose, Auswertung ihrer eigenen Log-Dateien verboten wurde (was, nebenbei bemerkt, auch mal wieder an der prinzipiellen Intelligenz und Kompetenz der zuständigen BKA-Verantwortlichen zweifeln ließ). Vollkommen ignorierend, daß jeder erst nach einem Klick auf einen Link (diese bunten Textstellen im "Browser") weiß, was sich hinter dem Link verbirgt, und daß man ggf. noch nicht mal vorher erkennen kann, wohin die virtuelle Reise tatsächlich geht. Vollkommen ignorierend, daß es gerade die "bösen Buben" sind, die nicht auf dem Stoppschild landen würden, da sie natürlich die ersten sein werden, die diese "Sperren" umgehen.

Dazu kommt noch: Eine große Koalition will ein Gesetz erlassen, das eine Polizeibehörde ermächtigt, Listen zu erstellen, was gesehen werden darf und was nicht? Jenseits ihrer grundgesetzlich zugewiesenen Kompetenz? Unter Mißachtung der Gewaltenteilung? Unkontrolliert? Ohne Einspruchsmöglichkeit, und ohne die Betroffenen zu informieren? Eine unfehlbare Polizei? Die erst vor kurzem nachweislich "Beweise" manipuliert hat, und auch noch zu doof dazu war, sich dabei vom Gericht nicht erwischen zu lassen? Die bei freiwilligen, selbstgemachten Nacktbildern von schwerstem Mißbrauch durch einen Vergewaltiger faselt? Die es nicht schafft, bei strafbaren Inhalten die Macher zu verfolgen, und die Webserver vom Netz zu nehmen? Nicht irgendwo in "failed states" ohne funktionierende Justiz in der "Dritten Welt", sondern in Deutschland, der EU und den USA? Eine Polizei, die zusieht, und nur verhindert, daß Bürger diese Verbrechen sehen? Die Bürger, die im Gegensatz zur Polizei dafür sorgen, daß diese Webserver abgeschaltet werden?
Kennen die Politiker, die das und mehr wollen eigentlich das Grundgesetz? Haben sie Anstand? Ich nenne das: "Ermächtigungsgesetz 2.0"!

Muß etwa ein ums andere Mal das Bundesverfassungsgericht seinerseits ein "Stopp"-Schild hochhalten - für die Politiker, die das Volk vertreten sollen - nicht treten? Diese Politiker, denen preiswerter Wahlkampfklamauk auf Kosten von Vergewaltigungsopfern wichtiger ist, als wirklich etwas zu tun, Täter zu stellen, Webserver abzuschalten und Opfern zu helfen? Pfui! Schande! Ich schäme mich für diesen menschlichen Ausschuß! Dumm, borniert, lernbefreit, und/oder schlicht dreist! Mein persönliches Stoppschild ist bereits fertig: Die "Volksparteien" CDU/CSU & SPD werden von mir keine Stimme mehr bekommen. Keine Zweistimme, noch nicht mal eine Erststimme. Nicht kommunal, nicht für den Landtag, nicht den Bundestag, nicht fürs EU-Parlament! Aus, vorbei, oder: "Game over" wie wir sagen ...

Aber ja, vielleicht gibt es wirklich entsprechend grausame Bilder und Videos im WWW, über die man zufällig stolpern kann? Ich habe mich deswegen auf die Suche gemacht und ...
... nichts gefunden! D.h., nicht ganz. Denn zwei Videos sind mir aufgefallen, die nicht so ganz in die ansonsten wohl kleine, heile Welt der Familienministerin passen dürften. Frei verfügbar im WWW! :-/ Ich möchte sie hier aus dokumentarischen Gründen verlinken, auch wenn ich befürchte, daß meine Website deswegen in den Filterlisten landen wird. Wer sie sich anschauen möchte, sei aber vorab gewarnt!

Warnung: Nichts für Kinder, Eltern oder allgemein empfindliche Gemüter!

Zwei offensichtlich minderjährige Mädchen, das jüngere Mädchen sehr wahrscheinlich noch nicht mal in der Pubertät, beim "Pole Dancing", während sich ein ebenfalls minderjähriger Junge einen "rubbelt". Es werden Schläge ausgeteilt, und schließlich "reitet" das jüngere der beiden Mädchen auf ihrem Bruder! Der Kameramann spart nicht mit Anweisungen und sarkastischen Kommentaren ("Du blutest!"). Er verhöhnt den Jungen und tritt ihm zum Abschluß auch noch in den Genitalbereich:

Ein minderjähriger Junge wurde vermutlich von seinem Vater(!) festgebunden und wird gefilmt. Noch schlimmer: offensichtlich wurde das Kind massiv unter Drogen gesetzt und weiß weder, wie ihm geschieht, noch was überhaupt geschieht. Ein Versuch, sich zu befreien, wird vom Vater unterbunden:

Ich habe die Videos natürlich gesehen. In voller Länge. Mehrfach. Mich erregt trotzdem der Anblick einer attraktiven, erwachsenen Frau - immer noch. Sie muß noch nicht mal nackt sein - eine Blick, eine Bewegung, kann dafür schon ausreichend sein. Vermutlich gerade weil ich schon sehr viele nackte Frauen gesehen habe. Beim FKK, in der Sauna und, natürlich, auch beim Sex. Und auch wenn beim bloßen Gedanken an Frau v.d.Leyen oder Frau Merkel mir jegliche Lust vergeht: Das war vor dem Anblick der Videos auch schon der Fall. Sieht so aus, als wenn die Videos keinerlei schädliche Spuren in meinem Geist hinterlassen haben ...
... was man allerdings nicht von allen Videos behaupten kann, die ich in letzter Zeit so gesehen habe ...

Und ja: wer jetzt meint, ich sei sarkastisch, der hat natürlich Recht! Denn kaum etwas kotzt mich, der mit sehr viel Zärtlichkeit aufgewachsen ist, und dessen Eltern nie auch nur den Versuch unternommen haben, Sexualität zu tabuisieren, der Freude und Erfüllung der Sexualität bereits vor der Pubertät kennengelernt hat, und sie hoffentlich bis ins hohe Alter bewahren wird, wirklich kaum etwas kotzt mich so an, wie dieses sexualfeindliche Getue, das Konservative wie Frau v.d.Leyen an den Tag legen! Und daß diese Leute das schlimmste Verbrechen, barbarisch gegen den Willen und die sexuelle Selbstbestimmung eines anderen Menschen zu handeln, nur als Vorwand mißbrauchen, ihre konservativen Ansichten durchzudrücken - ignorierend, daß sie dabei selbst mit ihren Verboten gegen die sexuelle Selbstbestimmung anderer Menschen agieren. Daß diese Leute einfach wegschauen, und den Mantel des Schweigens darüber legen, wie sie es jahrelang schon mit der Vergewaltigung von und mit der Gewalt gegen Kinder gemacht haben. Entweder weil man "darüber" nicht spricht, oder weil es so "bequemer" ist - dann wird schon alles gut! Weil es "nicht natürlich" sein soll, wenn ein Kind sexuelle Gefühle hat. Daß es sich zu schämen hat, wenn es nackt fotografiert wird, selbst wenn es fotografiert werden möchte oder sich selbst fotografiert, und sich über die Fotos freut - selbst noch als Erwachsener. Und daß sich ein junges Mädchen doch nicht zu wundern braucht, wenn es, "aufreizend" gekleidet, vergewaltigt wird. Genau wie sich in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts auch die erwachsenen Frauen darüber nicht zu wundern brauchten, wenn sie einen Minirock trugen ...

Sicher, Kinder sollen geschützt werden! Aber dieser Schutz soll ihnen den Raum öffnen, in dem sie sich frei entfalten können. Dieser Schutz soll sie nicht einengen! Wen stört denn das Sexting, also wenn auch Teenager von sich Nacktfotos machen, um sie Freunden zu senden? Diejenigen, die Nacktheit als etwas empfinden, dessen man sich gefälligst zu schämen hat. Bestimmt nicht die, die die Bilder machen oder gerne zugesandt bekommen.
Sollte man Nacktbilder von sich an alle Welt versenden? Sollte man überhaupt Bilder von sich an alle Welt versenden? Das ist ein Thema, worüber es sich mit Kindern zu reden lohnt: "Medienkompetenz"!
Kein Thema sollte hingegen sein, daß Kinder und Jugendliche wg. Herstellung, Besitzes und Verbreitung von Kinderpornographie angezeigt und verurteilt werden, weil sie Nacktbilder von sich selbst freiwillig, und nicht gegen Geld sondern einfach aus Spaß, ihren Freunden bzw. Freundinnen geschickt haben, die auch nichts dagegen hatten. Soweit wird es nicht kommen? Nun, in den USA, uns bekanntermaßen in den Trends immer ein paar Jahre voraus, ist das leider bereits Justizalltag (und wie gesagt: wir reden hier auch von "Kindern", die nur noch einen Tag bis zu ihrem 19. Geburtstag haben). Wir hier in Deutschland, dem Gründungsland der Freikörperkultur, sind da noch nicht so weit - aber wenigstens die Richtung "stimmt", sofern nichts dagegen unternommen wird (Nachtrag Juli 2010: And the "winner" is, schneller als erwartet, aber insgesamt wenig überraschend: Die Polizei des "Freistaats" Bayern - namentlich die Polizeidirektion Kempten).

Menschen haben ein Interesse an Sexualität. Sie hatten es, sie haben es, sie werden es (hoffentlich) immer haben. Und so wie ein anrührendes Drama uns mitleiden läßt, so werden wir von Erotik erregt. Das ist zutiefst menschlich und, das kann ich aufgrund vieler Erfahrungen seit meiner Kindheit versichern, auch unabhängig vom Alter und vom Geschlecht. Und belegt ist: Einzig Gesellschaften die liebevoll mit den Kindern umgehen und sie in ihrer Sexualität nicht einengen, sind zu 100% frei von schweren Gewalttaten. Es gibt im Gehirn zwei getrennte Bereiche: einer für Schmerz und Aggression, und einer für körperlichen Genuß, Sex, Sozialempfinden sowie Lebensfreude, die nicht gleichzeitig aktiv sein können. Die Erziehung entscheidet darüber, welcher Bereich uns dominiert (s. Gefährliche Doktorspiele). Und: Diese Gesellschaften sind auch kreativer - allerdings auch freier von einem moralisierenden Gottesglauben. Nun, daher könnte das Problem auch kommen, das gerade die C-Parteien und deren Umfeld mit Sexualität haben.

Diese offene Einstellung gefällt also einigen Leuten nicht. Weil sie es nicht wissen, glauben oder verstehen wollen (oder können). Manche glauben sogar lieber an Enthaltsamkeit bis zur Ehe - angeblich weil ihr Gott es so will. Was ist das für ein Gott? Schwere Sexualstraftäter kommen allesamt aus repressiven Elternhäusern. Und warum melden sich denn Opfer sexueller Straftaten oft so zögerlich, wenn überhaupt? Wohl auch weil Konservative die Sexualität (außer zum Zwecke der Fortpflanzung innerhalb der klassischen Ehe) gerne als "sündhaft" oder "unmoralisch" bezeichnen. Da macht der Täter jemanden nicht "nur" zu einem Opfer, sondern die Tat stigmatisiert in einem solchen (un)geistigen Klima das Opfer auch noch zusätzlich. Ein Opfer, das zudem ggf. eher Unsicherheit als Selbstbewußtsein an den Tag legt, weil über Sexualität zu wenig gesprochen wurde, und, z.B. im Fall pädophiler Priester, der Täter als Autorität dargestellt wurde. Aber will Gott vielleicht, daß es solche Verbrecher gibt? Hoffentlich nicht. Das ist aber nicht die Frage. Die Frage ist: Wollen wir das? Nun, Vergewaltiger sind glücklicherweise die Ausnahmen von der Regel. Die Regel ist: Sexualität wird tabuisiert, auf daß man im Erwachsenenalter, nun mit anerzogener Verklemmung, der Sexindustrie riesige Umsätze beschert. Sex sells - auch in der normalen Wirtschaft, in der Werbung wie in und auf Zeitschriften. Leicht kann man feststellen - auch anhand der Internetsuchen: Je rigider in einem Staat die Sexualität unterdrückt wird, desto größer der Bedarf nach Pornos. Wollen wir das wirklich? Ich für mein Teil bin jedenfalls sehr erfreut, daß die kommerzielle Pornoindustrie derzeit mehr und mehr leidet, weil viele Menschen ohne kommerzielle Absichten ihre eigene Erotik in frei zugänglichen Websites präsentieren.

Diese Websites sollten geschlossen werden, so meinen diese Leute. Aus Jugendschutzgründen - natürlich. Daß es keinerlei empirische Studien gibt, die die Wirkung von gewaltfreier Pornographie auf Kinder als nachteilig belegt: Wen kümmert's? Daß Sexualwissenschaftler es normal finden, wenn sich Jugendliche für Pornos interessieren - um zu lernen und zu experimentieren: Wen interessiert's? Daß umfangreiche, altersgerechte Aufklärung nicht von "offiziellen" Stellen geschieht, sondern durch kommerzielle (insbes. also von der Bravo - jo, die habe ich früher auch gelesen) mit all ihrer Werbeberieselung: Wen stört's? Es geht nicht um "Fakten" oder um das Wohl der Kinder. Es geht darum, "Pornographie", und alles was manche dafür halten (und das fängt bei manchen Zeitgenossen bereits bei Nacktheit an), möglichst aus unserem Leben zu verbannen.

Unvergessen sind mir dabei auch Auswüchse von Emmas "PorNO"-Kampagne, wo eine Schreiberin sich (in der weitgehend unbeachtet gebliebenen Neuauflage der Kampagne) über die Sexualisierung mittlerweile auch der Mädchen erregte (da ist Gleichberechtigung wohl weniger erwünscht), die sich erniedrigen würden, indem sie Jungen einen blasen. Wow, femininer Machismo at its best! In südländischen Machokulturen gilt es als unmännlich, da eben angeblich erniedrigend, wenn der Mann aktiv Oralsex macht, oder beim Sex passiv unten liegt. So eine Haltung bei Männern (zu Recht) zu bekämpfen, aber gleichzeitig direkt zu übernehmen: Gratulation! Wie vernagelt muß man als Feministin eigentlich sein, um das nicht auf den ersten Blick als Schwachsinn zu erkennen? Daß Oralsex schlicht ausgesprochen viel Spaß macht (auch als aktiver Teil), scheint sich halt noch nicht überall herumgesprochen zu haben (auch hier: Emma- Redakteurinnen scheinen halt, anders als Mädchen, nicht zu lesen, was die Bravo darüber schreibt). Daß selbstbewußte junge Frauen sich diesen Spaß nicht (mehr) verbieten oder vermiesen lassen wollen: Fein! Sollen sie es genießen, wie auch ich und viele andere es genießen. Solange niemand zu etwas gezwungen wird ...
Übrigens: Ist eigentlich noch niemandem aufgefallen, daß in vielen großen und kleinen Ländern (nicht nur) Europas geradezu bestialische Triebtäter ihr Unwesen getrieben haben, daß aber solche Fälle aus den überaus Pornographie-freundlichen und auch sonst sexuell toleranten Niederlanden nicht bekannt sind?

Aber gut, schliessen wir solche "gefährlichen" Websites. Zu dumm, daß in den USA dieses Vorhaben gerade (mal wieder) gescheitert ist: der Supreme Court sieht das Recht auf freie Meinungsäußerung als nicht einschränkbar an - Jugendschutz hin oder her. Auch bei uns hat es bereits Versuche gegeben, solche (ausländischen) Websites zu "sperren" (inländische brauchen eine Alterskontrolle). Letztlich erfolglos, da unsere Justiz befand, den Internetprovidern wäre eine Sperrung mangels technischer Infrastruktur nicht zuzumuten. Jetzt soll genau diese Infrastruktur zwangsweise errichtet werden. Wie wird die Justiz bei der nächsten Klage entscheiden? Und weitere Klagen werden kommen. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche - das hat die Vergangenheit bereits schmerzlich bewiesen. Da muß ich als ehemaliger Buchhändler nur an das hervorragende Aufklärungsbuch Zeig mal! denken:
Viele "Kinderschützer" aus dem religiös-konservativen Dunstkreis der CDU/CSU (und sogar aus der Jungen Union - jung im Aussehen, aber ein wenig alt im Geist) sowie von noch weiter rechts, haben immer und immer wieder versucht, das Buch mindestens indizieren, wenn nicht ganz verbieten zu lassen (und es geht hier nicht um ein vielleicht zweifelhaftes Sexshop-Heftchen aus den Niederlanden, sondern um ein prämiertes Buch, von einem der besten Fotografen die wir haben, erschienen in einem evangelischen Jugendbuchverlag). Niemand konnte sie stoppen, auch die Gerichte nicht, vor denen sie ein ums andere Mal verloren. Bis dann der Fotograf Will McBride, u.a. ausgezeichnet mit dem Dr.-Erich-Salomon-Preis, irgendwann entnervt ob der nicht endenden wollenden Nachstellungen und Verleumdungen, aufgegeben hat (s. Guck weg - Die Geschichte eines Aufklärungsbuches als Original-Artikel (PDF) mit einigen Bildern oder als HTML-Version). Nicht, daß das Buch illegal gewesen wäre. Nicht, daß es Kinder gefährdet hätte. Nicht, daß irgendjemand diese Menschen dazu gezwungen hätte, sich dieses Buch zu kaufen, und mit ihren Kindern zu lesen. Nein, solche Menschen sind nur nicht willens, sexuelle Einstellungen außer ihrer eigenen zu tolerieren. Stattdessen bestrebt, sich in anderer Leute Leben einzumischen, und ihnen Vorschriften machen zu wollen, wie sie ihre Kinder zu erziehen hätten. Nach deren verklemmten Glauben natürlich! Wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen? Oder Erfahrungen anderer Kulturen? Ja, wo kämen wir denn da hin? Die Taliban sind wohl näher, als man denkt ...

Und natürlich muß man bei "unerwünschter Sexualität" (also auch Sexualität, die Menschen aus freien Stücken mit anderen Menschen via Websites teilen) nicht aufhören: es gibt doch so vieles, was schädlich für die Jugend (und auch für Erwachsene) ist. Was das im einzelnen so ist, daß wissen die Politiker ja am besten. Sie wollen ja bekanntermaßen nur unser Bestes (also vorzugsweise, wie immer, unser Geld). Da wären z.B. nicht genehme Meinungen oder Satire, Downloads von MP3 und Videos, oder gar "Killerspiele". Jenes digitale "Cowboy und Indianer"-Spiel, das unsere Kinder verroht. Nicht, daß wirklich gewalttätige Vertreter dieser Gattung nicht bereits verbietbar wären (und auch verboten wurden - von Verkaufsbeschränkungen "Nur an Erwachsene" ja gar nicht zu reden). Aber das reicht einigen offensichtlich nicht aus. Und so entblödet sich auch Kriminologe Pfeiffer nicht, durch Talkshows zu tingeln, und seine Sicht der Dinge zu verkünden: verbieten (natürlich - Verbote kommen in Deutschland immer gut, während man im Nachbarland Österreich und anderswo anscheinend eine etwas widerstandsfähigere Jugend hat). Untersuchungen haben ergeben, daß "Killerspieler" direkt nach dem Spiel schlechter rechnen können. Auch sollen sie, im Vergleich zu gewaltätigen Filmen, stärker "abstumpfen". Leider verschweigt er dabei ebenso regelmäßig, daß beides nur kurzzeitig gilt, und wieder vergeht.

Andere Untersuchungen haben ergeben, daß saunieren die Intelligenz senkt. Natürlich vergeht auch das mit der Zeit: ein Saunagänger ist schon bald wieder genauso schlau (oder dumm), wie vorher. Verbieten wir deswegen die Sauna? Oder dürfen bald nur noch Erwachsene in die Sauna? Oder in die Sommersonne? Egal, Hauptsache, die Waffen, mit denen getötet wird, werden nicht verboten. Schließlich gibt es ja eine Waffenindustrie - besonders in Bayern. Und viele Schützenvereine. Vielleicht wäre stattdessen ein Mehr an Swingerclubs aggressionsabbauender? "Nichts muß, alles kann" statt dieser "Knallköpfe"?
Kleiner Scherz! Dagegen wären schon die Kirchen. Die gleichen Kirchen übrigens, die noch in keinem Krieg ein Problem damit hatten, die Waffen zu segnen, mit denen sich die Menschen real zerstückelt haben. Und ein auch nur halbwegs realistisches Computerspiel über die Inquisition oder auch nur kirchliche Erziehungsheime der westlichen Welt (inkl. Deutschlands) im letzten Jahrhundert (nach dem 2. Weltkrieg wohlgemerkt), würde ohnehin sofort beschlagnahmt: zuviel Gewalt, zuviel brutalster Sex ...
... und hier im katholischen Süden wurden noch im 18. Jahrhundert 14-jährige Jungen wegen "vorehelichen Geschlechtsverkehrs" verurteilt und unter geistlichem Beistand öffentlich mit dem Schwert enthauptet (s. Ganz schön extrem). So gesehen sind auch die aktuellen Versuche der kath. Kirche uns wieder ihre "Moral" aufzuzwingen dann doch noch relativ moderat ...

Dabei könnten wir doch gerade jetzt Erziehungsheime brauchen. Und zwar strenge, angesichts dieser Jugend, die nur Sex und sonstiges Amüsement zu kennen scheint. Was soll aus den Migrantenkindern, und damit auch aus unserer Zukunft, denn auch werden, wenn diese Kids den ganzen Tag vor dem Computer verblöden? Sie bauen in der Schule ab, wenn sie denn überhaupt hingehen. Nun, das betrifft nicht alle, aber für die, die es betrifft, habe ich prinzipiell Verständnis. Wenn ich andauernd wegen der Herkunft meiner Eltern benachteiligt würde (was allerspätestens beim Wechsel von Grund- auf die weiterführende Schule überdurchschnittlich oft und eigentlich unerklärlicherweise passiert), wenn ich nur als der letzte Arsch gelten würde, reingesteckt in Schulen, die eher Verwahranstalten gleichen, mit Lehrerbeamten, die zu einem schlechten Teil den Beruf wegen der Sicherheit ergriffen hat, nicht weil sie Kinder lieben (selbst wohlmeinende Menschen sprechen hier von immerhin 30% der Lehrerschaft), wenn ich mit Lehrern zu tun hätte, die, selbst wenn sie es wollten, mit Kindern überhaupt nicht umgehen können (gleichwohl aber auch nicht entlassen werden können - sie sind ja unkündbar), und wenn es Computerspiele gibt, in denen ich zeigen kann, daß ich was kann, in denen kann ich Selbstbewußtsein tanken, daß ich sonst nicht aufbauen kann, in denen ich Freunde gewinnen kann, denen ich im realen Leben vielleicht nie begegnet wäre, weil sie in andere Schulen gehen, in anderen Vierteln leben, und, gerne Einzelkind, gut behütet von ihrer Mami im SUV zum Klavierunterricht gefahren und wieder abgeholt werden, wenn ich also in dieser Situation wäre, dann würde ich das Erfolgserlebnis und das Gruppengefühl vielleicht auch der Verwahranstalt vorziehen. Aber beamtete Lehrer und Trennung der Schullaufbahn in der 4. Klasse sind immer noch sakrosankt. Und übrigens: Es wäre, so glaube nicht nur ich, auch durchaus sinnvoll, wenn Jugendliche im Sturm ihrer sich wandelnden Biologie, gemeinhin Pubertät genannt, auch generell anders und zu anderen Zeiten unterrichtet würden.

Was sollten wir also tun? Sexualität weiter tabuisieren und Computerspiele verdammen, oder unsere Gesellschaft verbessern? Ich weiß, was von beidem bequemer ist. Ich weiß, was von beidem billiger ist - zumindest auf kurze Sicht. Und ich weiß, daß Politiker mitunter Schwierigkeiten haben, für Zeiten zu planen, in denen sie selbst nicht mehr wählbar sein werden. Ich weiß auch, wie lange die Politiker der CDU gebraucht haben, sich und ihren Anhängern einzugestehen, daß Deutschland ein Einwanderungsland ist. Ich weiß auch, wie lange der CDU die Ganztagsschule als Teufelszeug galt, und wie lange das dreigliedrige Schulsystem als ultima ratio angesehen wurde. Und ganz nebenbei bemerkt: Es war auch die Union, die uns dieses niveaulose private Verdummungsfernsehen beschert hat. Daß sich in der CDU, vom Privatfernsehen mal abgesehen, durchaus Änderungen ergeben haben, gibt auch ein bißchen Anlaß zur Hoffnung.

Weniger Anlaß zur Hoffnung gibt hingegen unser "Betroffenheitsminister" Karl-Theodor von und zu Guttenberg. Mal ausnahmsweise ein vergleichsweise junges, frisches Gesicht im Betrieb der alten Frauen und Männer. Ich bin 7 Jahre älter als er. Ich hatte schon Sex, da hat seine Durchlaucht noch in die Windeln gemacht. Ich hab den Playboy gelesen (wirklich: gelesen, nicht nur die Bilder angeschaut), da hat er gerade mal aus der Schultüte genascht. Ich habe Computerspiele gespielt (auch "Killerspiele", wenn auch noch sehr pixelige), da war er noch dicke in der Grundschule. Wenig später habe ich angefangen, zu programmieren. Ich war online, da kam er mal gerade in die Pubertät. Ich war niemals aggressiv, bin ein durch und durch friedvoller und entspannter Mensch, war niemals ein "linker Revoluzzer", bin mit Krawatte und NATO-Aufkleber auf dem Aktenkoffer in die Schule gegangen, und war stolz auf unser Grundgesetz und bereit, unsere Freiheit bei der Bundeswehr zu verteidigen (mit Auszeichnung übrigens). Ich wurde Buchhändler und IT-Fachmann. Ich habe Kolleginnen geschult, und Freundinnen befriedigt. Ich habe siebenstellige Jahresumsätze verantwortet, und meine persönliche Freiheit gefunden. Ich bin ein zufriedener, ein glücklicher Mensch.

Und ich bin, ich muß es leider sagen, von diesem Staat mittlerweile enttäuscht. Ich bin von prügelnden Polizisten enttäuscht, die doch Staats- und damit Volksdiener sein sollten. Enttäuscht von Polizisten, die Aussagen absprechen, um Verurteilungen zu erreichen, und die Aussagen absprechen, damit ihresgleichen ungeschoren davon kommt. Ich bin enttäuscht, daß viele Polizisten vorzugsweise langhaarige und/oder nach Migrationshintergrund aussehende Jugendliche kontrollieren - von Menschen mit dunkler Hautfarbe ganz zu schweigen. Ich bin enttäuscht von Polizisten, denen kein Vorwand billig genug ist, Grundrechte des Bürgers mit den Füßen zu treten, anstatt lieber einmal mehr zu zweifeln, und auf einen Richterentscheid zu warten. Aber ich bin auch enttäuscht von Richtern, die, gegen geltendes Recht, unsinnige DNA-Proben veranlassen, oder die ohne wirklich eingehende Prüfung Anträge auf Wohnungsdurchsuchungen oder TK-Überwachungsmaßnahmen einfach abnicken (umso stolzer bin ich auf die Richter, die gemäß den Vorschriften, aber vermutlich entgegen so manchem Druck, ordnungsgemäß ihre Pflicht erledigen - das gilt leider nicht für alle Verfassungsrichter). Schier fassungslos bin ich, wenn, wie vor kurzem in Bayern, bei einem unbescholtenen Familienvater morgens das SEK mit Maschinenpistolen in die Wohnung stürmt, weil der sich erdreistet hatte, etwas gegen den Papstbesuch zu sagen (so einer kann ja nur gemeingefährlich sein - also der Familienvater, der Papst ja ohnehin - da muß man ja z.B. nur an die vielen Aids-Toten und das päpstliche Kondomverbot denken). Ich verstehe auch nicht, daß es, wie gerade erst in einem anderen Fall, einen Durchsuchungsbeschluß mit Beschlagnahme des Computers geben kann, nur weil eine Frau von einem Unbekannten(!) gehört haben will, daß der Mann dem Unbekannten erzählt habe, er hätte Kinderpornographie (gefunden wurde übrigens, welch Überraschung, gar nichts).

Und ganz besonders bin ich von Politikern enttäuscht, die das alles zu verantworten haben, weil sie es sind, die die Gesetze und Vorschriften erlassen, ignorierend, daß Menschen Fehler machen (sei es absichtlich oder unabsichtlich), und den Bürger auch noch für dumm verkaufen, mit (leider) so leicht widerlegbaren Schwachsinnsfloskeln wie: "Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten." Ich bin von ignoranten, unwissenden Politikern enttäuscht. Ich bin von ihrer Klüngel- und Lobbypolitik enttäuscht. Davon, daß sie nicht willens oder fähig sind, zu lernen und zu differenzieren, und sie im Zweifel dann lieber verbieten wollen, gerne mit Dummheit und Demagogie als Hilfsmittel (s. Drogen, Kinderporno, Killerspiele). Ich bin enttäuscht, wenn sie sexuellen "Anstand" predigen, damit aber nur den Bürger, nicht aber sich und ihre Freundin in Berlin, Stuttgart oder sonstwo meinen. Wenn sie von "Drogen" reden, aber nicht die Herstellung, den Vertrieb oder den Konsum der toxischen und schwer abhängig machenden Suchtstoffe Nikotin und Alkohol meinen. Wenn sie über "Killerspiele" und Paintball herziehen, aber Schützenvereine und Fechten für sie kein Problem darstellt. Ich bin enttäuscht, wie die Parteien sich diesen Staat zu ihrer Beute gemacht haben. Enttäuscht von ihrem Proporz- und Postengeschacher. Ich bin davon enttäuscht, wie unsozial sie handeln, und wie selbst ein Jahr nach Beginn dieser (vorhersagbaren und vorhergesagten) Finanzkrise noch keinerlei wirkliche Änderung des Finanz- und Wirtschaftssystems in Aussicht ist - noch nicht einmal den Ansatz einer Debatte über die Zukunft sehe ich (von den Vorstelllungen eines neuen Präsidenten in den USA mal abgesehen). Ich bin enttäuscht, wie immer noch die Industrie vor den Verbrauchern bevorzugt wird. Ich bin enttäuscht, wie vieles von dem, was ich selbst erlebt, was mich zu dem entspannten, zufriedenen, glücklichen Menschen gemacht hat, der ich bin, im Furor des konservativen Rollbacks und gegen die wissenschaftlichen Faktenlage mindestens zurückgefahren wird. Ich bin enttäuscht, wie regierende Politiker, Vertreter des Volkes, des angeblichen Souveräns, begründete Bedenken einer Vielzahl gut gebildeter und gut verdienender Menschen mit plumper Diffamierung begegnen. Ich bin enttäuscht, daß namhafte Politiker so dumm (oder dreist) sind, davon zu faseln, dieses Gesetz wäre sinnvoll, da man ja sonst nichts machen könne, wenn Server mit Bildern vergewaltiger Kinder "irgendwo" stünden, wo nichts dagegen gemacht würde. Ich bin noch enttäuschter, wenn diese Politiker gar kein Land nennen können, wo dies denn der Fall sein soll (andere nennen das Volksverdummung)! Ich bin enttäuscht, wenn ihnen gar nicht bewußt ist, daß ein Server mit der Top-Level-Domain .tv gar nicht irgendwo fernab jeder "Zivilisation" (und damit auch fernab jeder IT-Infrastruktur) irgendwo in Tuvalu steht, sondern in einem Rechenzentrum in Deutschland stehen kann - und sie solcherlei Wissen leider auch nicht vermittelt bekommen wollen. Ich bin entsetzt, daß so ein umstrittenes Gesetz begründet wird, nicht nur mit Servern, die in (unbekannten) Ländern fernab jeglicher Rechtssprechung nach unseren Normen stehen sollen, und mit Milliardenumsätzen, die noch niemand je gesehen hat, sondern daß dieses Gesetz dann nicht ausdrücklich auch nur für Server "dieser" Länder gelten soll - es gilt auch für Server in den USA, in der EU und sogar in Deutschland selbst (die EU-Länder wurden, nach massiver Kritik, noch in einem Entwurf von "Sperren" ausgenommen, aber diese eigentlich logische Selbstbeschränkung wurde rechtzeitig zur Verabschiedung wieder aus dem Gesetz entfernt). Ich bin entsetzt, wie offensichtlich plump und dreist Politiker ein Gesetz durchdrücken, das man mit Logik und Wissen so leicht demontieren kann, weil es eben gar nicht um das geht, was die Politiker behaupten. Ich bin enttäuscht, daß wegen so vieler Gesetze das Bundesverfassungsgericht bemüht werden muß, um diese machtgierigen Halunken in ihre Grenzen zu verweisen - sie sollten selbst wissen, wo ihre Grenzen sind, und im Zweifel Gesetze erlassen, die noch nicht mal in die Nähe des Verfassungsverstoßes gehen. Sie sollten nicht immer wieder den kleinen Finger fordern, um dann die ganze Hand zu nehmen. Und ich bin enttäuscht, daß solche Angsthasen wie unsere Politiker immer noch alles was neu ist erstmal verdammen, jedenfalls sofern es nicht die Entwicklung einer klassischen Industrie ist.

Die Politiker sorgen sich um "Politikverdrossenheit"? Nein, es ist Politikerverdrossenheit! Und wir beginnen, uns zu wehren! Wir sind vernetzt, wir debattieren jenseits der "veröffentlichten Meinung", außerhalb der Zeitungen, die weniger die Meinungsfreiheit widerspiegeln, als die Meinungen weniger Verleger. Wir stimmen uns ab, wir machen Stimmung! Wir sind jung (mindestens im Geiste), innovativ, gebildet, sozial. Selbst gegen die ältesten von uns sehen die jüngsten von euch aus wie Neandertaler: Zum Aussterben verurteilt. Wir diskutieren, bloggen, twittern, feeden, chatten, laden runter und hoch. Und: Ihr könnt euch warm anziehen - wir haben gerade erst angefangen ...

gez. Cybaer@binon.net, Juni 2009

PS: Sagt euch eigentlich das Zitat: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!" etwas?


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